Vegane Ernährung hält gesund

In den Industriestaaten sind beeinflussbare Erkrankungen heutzutage die Todesursache Nummer 1. Dass die Ernährung bei der Entstehung von Diabetes, Bluthochdruck, Krebs und anderen Krankheiten eine wichtige Rolle spielen kann, zeigen zahlreiche Studien. Doch nicht nur für die Prävention ist eine gesunde Ernährung wichtig: Einige Krankheitsbilder können durch eine Ernährungsumstellung auch gemildert oder sogar geheilt werden.

Übergewicht und Adipositas

Einer Studie zufolge sind 67 % der Männer und 53 % der Frauen in Deutschland übergewichtig. Als Kriterium für die Diagnose dient der Body-Mass-Index (BMI), der das Körpergewicht und die Körpergröße zueinander in Beziehung setzt.

Ein hohes Körpergewicht mit einem zu hohen Fettanteil kann zahlreiche Folgeerkrankungen auslösen – beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Gicht und Gallensteine. Auch ein erhöhtes Krebsrisiko wird mit Übergewicht in Verbindung gebracht.

Unsere Ernährung ist – in Kombination mit Bewegungsmangel – ein entscheidender Faktor bei der Gewichtszunahme. Hier kann die vegane Ernährung ansetzen: Pflanzliche Lebensmittel enthalten wenig Kalorien, aber viele essenzielle Nährstoffe und zudem Ballaststoffe, die lange satt machen. Studien zufolge weisen Veganer:innen durchschnittlich den niedrigsten BMI auf. Je mehr Tierprodukte verzehrt werden, desto mehr steigt der BMI an.

Diabetes mellitus Typ 2

Laut dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes haben in Deutschland mindestens acht Millionen Menschen einen dokumentierten Typ-2-Diabetes. Bei dieser Erkrankung kann der Körper den Blutzuckerspiegel nicht im Gleichgewicht halten, sodass er chronisch erhöht ist. Dies kann wiederum Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Nervensystems zur Folge haben.

Bei der Entstehung dieser Form des Diabetes spielt die Ernährung eine wichtige Rolle: Wissenschaftler:innen gehen von einem starken Zusammenhang zwischen dem Fettgehalt der Ernährung und dem Auftreten von Diabetes aus. Wer Diabetes entgegenwirken will, sollte sich ballaststoffreich und fettreduziert ernähren. Eine vegane Ernährung kann dabei helfen: Studienergebnisse zeigen, dass Mischköstler:innen etwa viermal so häufig an Diabetes erkranken wie Veganer:innen. Das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht sich demnach um etwa 30-40 %, wenn einmal pro Woche Fleisch verzehrt wird. In einer Studie wird auch ein regelmäßiger Konsum von Vollmilch als Risikofaktor genannt.

Die vegane Ernährung kann Typ-2-Diabetes nicht nur vorbeugen, sondern hat auch therapeutisches Potenzial: In einer Studie konnten viele Teilnehmer:innen nach einer Ernährungsumstellung ihre Diabetes-Medikamente reduzieren oder sogar absetzen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

35 % aller Todesfälle in Deutschland gingen im Jahr 2019 auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück. Sie sind weltweit die häufigste Todesursache.

Bluthochdruck

In Deutschland sind knapp 60 % der Männer und 39 % der Frauen von Bluthochdruck betroffen – nur bei einem Drittel aller Erwachsenen sind die Werte ohne Medikamente optimal.

Neben Übergewicht und unzureichender Bewegung ist die Ernährung ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Bluthochdruck: Wissenschaftler:innen bringen den regelmäßigen Konsum von Fleisch, Fisch und Ei in direkten Zusammenhang mit diesem Krankheitsbild. In einer groß angelegten Studie in den USA hatten Veganer:innen die niedrigsten Blutdruckwerte im Vergleich mit Vegetarier:innen und Mischköstler:innen. Diese und weitere Studienergebnisse zeigen, dass die vegane Ernährung die Entstehung von Bluthochdruck verhindern und auch bei der Therapie von Bluthochdruck hilfreich sein kann. Der Grund dafür ist wahrscheinlich die vermehrte Zufuhr von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide. Diese enthalten Kalium, Magnesium und Kalcium – also Mineralstoffe, die sich günstig auf den Blutdruck auswirken. Auch Soja hat anscheinend eine günstige Wirkung auf den Blutdruck.

Herzinfarkt

Die groß angelegte EPIC-Studie mit 20.000 Teilnehmer:innen hat gezeigt, dass sich das Risiko für einen Herzinfarkt um die Hälfte reduziert, wenn man auf Tabak verzichtet, physisch aktiv ist, nur mäßig Alkohol trinkt und fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag isst. Als stärkste Einflussfaktoren werden in der Studie an erster Stelle der Verzicht auf Zigaretten und an zweiter Stelle der regelmäßige Obst- und Gemüseverzehr genannt.

Atherosklerose

Bei der Atherosklerose (umgangssprachlich auch »Arterienverkalkung« genannt) verändern sich die arteriellen Blutgefäße. Einlagerungen (vor allem Fette) bilden sich an den Wänden der Blutgefäße, was dazu führt, dass das Blut nicht mehr ungehindert fließen kann. Die betroffenen Körperbereiche werden dadurch nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt; in schlimmen Fällen können Blutgerinnsel entstehen, die zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können.

Die Ernährung hat wesentlichen Einfluss auf die Entstehung der Ablagerungen. Insbesondere Fette aus unserer Ernährung sind hier bedeutend. Besonders negativ wirken sich gesättigte Fette, trans-Fettsäuren und Cholesterin auf die Blutfettwerte aus. Cholesterin finden wir ausschließlich in tierlichen Nahrungsmitteln – und auch trans-Fettsäuren sowie gesättigte Fette kommen vor allem in tierlichen Produkten vor.

Wie positiv sich eine vegane Ernährung auswirken kann, unterstreichen Forschungsgruppen, die ihre Patient:innen mit fortgeschrittenen Gefäßerkrankungen auf eine pflanzliche, fettarme Kost setzten: Innerhalb weniger Wochen waren die Patient:innen vollständig genesen.

Krebs

Krebs hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer Volkskrankheit entwickelt. In Deutschland erkranken jedes Jahr fast eine halbe Million Menschen daran. Wissenschaftler:innen schätzen, dass 30 bis 50 % aller Krebsfälle verhindert werden könnten – durch ein gesundes Körpergewicht, regelmäßige körperliche Aktivität und eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse.

Eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland ist sowohl bei Männern als auch Frauen Darmkrebs (v. a. Dickdarmkrebs). Als ein wesentlicher Einfluss auf die Entstehung dieses Karzinoms gilt ein hoher Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch (letzteres: z. B. Wurst).

Studien weisen darauf hin, dass Vegetarier:innen ein deutlich geringeres Risiko für die Entstehung von Krebs aufweisen als Mischköstler:innen. Die Daten beziehen sich vor allem auf Dickdarm- und Lungenkrebs. Als mögliche Gründe wird der regelmäßige und hohe Konsum von Obst und Gemüse genannt. Diese Lebensmittel enthalten viele Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die antikanzerogene Wirkung haben können. Studien zeigen zum Beispiel, dass Personen, die täglich 34 g Ballaststoffe zu sich nehmen, ein um 40 % geringeres Darmkrebsrisiko haben als Personen, die nur 12 g Ballaststoffe pro Tag konsumieren.

Für rotes und verarbeitetes Fleisch gibt es demgegenüber laut World Cancer Research Fund (WCRF) eine »überzeugende Evidenz« für den Zusammenhang mit der Entstehung von Dickdarmkrebs. Bei Tumoren der Speiseröhre, Lunge, Gebärmutterschleimhaut und der Bauchspeicheldrüse gilt die Evidenz als »wahrscheinlich«. Auch ein hoher Proteinkonsum aus tierlichen Quellen wird in Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs gebracht – beispielsweise das wachstumsfördernde Hormon IGF-1 in Kuhmilchprodukten, das die Entstehung von Prostata- und Brustkrebs potenziell fördern kann.

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