Welternährung

Derzeit leiden weltweit rund 795 Mio. Menschen an Hunger. Gemessen an der Gesamtzahl der Weltbevölkerung bedeutet dies, dass fast jeder achte Mensch von Hunger betroffen ist. Inwieweit diese Welternährungssituation mit dem Konsum von Fleisch in Verbindung steht, zeigen wir Ihnen nachfolgend auf:

1. Hoher Fleischkonsum in den Industrienationen

Hühner Käfig Transport
© andreamangoni – Fotolia

Die weltweite Produktion von Fleisch liegt derzeit bei rund 320 Mio. Tonnen, wobei vor allem für die Industrienationen produziert wird. Der Pro-Kopf-Fleischverbrauch lag hier 2014 bei durchschnittlich 76,1 kg, in den Entwicklungsländern bei »nur« 33,7 kg – mit steigender Tendenz. Speziell in Deutschland liegt der derzeitige durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch (inkl. u. a. »Verluste« wie Knochen) bei 88,3 kg, der tatsächliche Fleischverzehr pro Kopf bei 60,3 kg. Diese immense Produktion samt Verbrauch geht mit erheblichen Problemen einher.

2. Futtermittelproduktion

Knapp 35 % der jährlichen Weltgetreideernte, 61 % des europäischen Getreides und rund 59 % der deutschen Getreideproduktion werden allein für die Tierfütterung eingesetzt – mit steigender Tendenz (Getreidearten:  Mais, Weizen, Reis, Gerste, Hafer, Hirse, Roggen). Bedenklich dabei:

Die Produktion von tierlichen Produkten geht stets mit sogenannten »Veredelungsverlusten« einher, da Tiere nur einen Bruchteil der ihnen zugeführten Kalorien und Nährstoffe in Fleisch und z. B. Milch umwandeln. Der gesamte Rest wird u. a. für den Skelettaufbau, die Bewegung und Körperfunktionen verwendet. So besteht für die Nahrungsenergie im Durchschnitt ein Input-Output-Verhältnis von 11:1 (nur 5-18% der Nahrungsenergie bleibt für die menschliche Ernährung erhalten). Ein ähnliches Verhältnis zeigt sich mit Blick auf Protein:

Aus 11 kg pflanzlichem Protein wird durchschnittlich nur 1 kg tierliches Protein in Form von Fleisch erzeugt (bei Milch besteht ein Verhältnis von 3:1, bei Eiern von 4:1). (Quelle: Leitzmann/Keller: Vegetarische Ernährung, 3. Auflage, S. 335).

 

3. Prinzipiell genug Nahrung

Getreideernte Traktor
© Orientaly – Shutterstock

Zunehmend mehr Studien (z. B. hier oder hier) heben hervor, dass deutlich mehr Menschen ernährt werden könnten, wenn auf landwirtschaftlichen Flächen weitaus weniger oder keine Futtermittel mehr angebaut werden würden. Rein rechnerisch (unter Vernachlässigung politischer und wirtschaftlicher Gegebenheiten) könnten so etwa rund 3 Mrd. Menschen mehr (d. h. insgesamt 10 Mrd. Menschen) ernährt werden, wenn die jährliche Weltgetreidemenge direkt für den Menschen bereitstünde und nicht in die massenhafte Tierfütterung ginge.

 

4. Land und Böden

Um ausreichend Futtermittel für die exorbitante Zahl an weltweiten »Nutztieren« produzieren zu können, wird bereits ein Drittel der global nutzbaren Agrarfläche zum Anbau von Futtermitteln verwendet – in Deutschland etwa die Hälfte der ackerbaulich genutzten Fläche. Speziell Deutschland nimmt für seine Tierproduktion noch rund 3 Mio. Hektar Fläche in Lateinamerika zum Sojaanbau in Anspruch.

Problem: Da die Industrieländer ihren hohen Tierproduktkonsum nicht durch die eigene Futtermittelproduktion decken können, werden Flächen auch in Entwicklungsländern nachgefragt und in Anspruch genommen (Stichwort: Landraub), die den dort lebenden Bevölkerungen sonst grundsätzlich für den eigenen Lebensmittelanbau zur Verfügung stehen könnten.

5. Wasser

Hände Wasser
© Riccardo Mayer – Shutterstock

Während jährlich etwa 3,5 Mio. Menschen an den Folgen schlechter Wasserversorgung sterben und 864 Mio. Menschen der Zugang zu sauberem Wasser fehlt, werden heute 70 % des weltweit verfügbaren Frischwassers in der Landwirtschaft verbraucht. Besonders der Einsatz von Wasser zur Tierproduktion geht mit Verschwendung einher:

So werden zur Produktion von 1 kg Tierfleisch (je nach Tierart) bis zu 15.400 Liter Wasser verbraucht und auch verunreinigt (über z. B. Pestizide), die in gewissen Mengen als potentiell trinkbares Wasser zur Verfügung stünden.

6. Klimawandel und Welternährung

Die massenhafte Tierhaltung der Industrienationen zählt zu den größten Verursachern des Klimawandels.

Die meisten Experten sind sich darüber einig, dass letzterer enorme weltweite Auswirkungen auf Ressourcen wie Boden und Wasser hat und damit auch auf die Welternährung. Einig sind sich die Experten auch darüber, dass die hauptsächlich Betroffenen des derzeitigen Klimawandels vor allem in den Entwicklungsländern leben:

So drohen etwa Afrika Ernteeinbußen von bis zu 50 % innerhalb der nächsten zehn Jahre. Für Zentral- und Südasien sowie für Lateinamerika werden in diesem Zeitraum regional Ernterückgänge von rund 30 % erwartet (Deutsche Welthungerhilfe e. V.: Handbuch Welternährung 2011, S. 68).

 7. Kontrast: Überernährung in den Industrienationen

Close up of three obesely fat men on the beach showing their unhealthy bellies
© MartesiaBezuidenhout – Fotolia

Neben 805 Mio. unterernährten Menschen sind weltweit mehr als 1,9 Milliarden Menschen vornehmlich in den Industrienationen überernährt – zunehmend aber auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen gerade auch der Fleischkonsum nach westlichem Vorbild steigt. Dies ist in ökologischer und gesundheitlicher Hinsicht, aber auch vor dem Hintergrund der eben aufgezeigten Probleme höchst bedenklich.

Das Gegenteil ist anzustreben: Wie eine Studie aus dem Jahr 2013 aufzeigt, könnte schon eine Verringerung des Fleischkonsums um 20 % in den Industrieländern zu einer spürbaren Verbesserung der Ernährungssituation in den Entwicklungsländern führen.

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