Der Extrem-Radsportler

Ben UrbankeBen Urbanke, Gründer und Geschäftsführer der ethisch-ökologischen Vorsorgeberatung FIBUR, ist seit seinem 15. Lebensjahr begeisterter Rennradfahrer. In seinem Buch »Be faster, go vegan!« beleuchtet er den Zusammenhang zwischen pflanzlicher Ernährung und sportlicher Höchstleistung und gibt zahlreiche Tipps.

Ben, wann hast du dich für den Umstieg auf eine vegane Lebensweise entschieden und was waren deine Beweggründe?

Nachdem ich eine Zeit lang vegetarisch gelebt habe, bin ich 2012 auf eine rein pflanzliche Lebensweise umgestiegen. Bei uns zu Hause wurde nur regional und bio eingekauft. Ende der 1980er Jahre bezeichnete man Mütter, die so einkauften, als »Öko-Tussis«. Ich habe mich also schon sehr früh mit meiner Umwelt beschäftigt. Somit waren meine Beweggründe tatsächlich ökologische Aspekte.

Die Erzeugung von Fleisch und tierlichen Produkten ist sehr aufwendig und benötigt viel mehr Getreide und Soja als die von pflanzlichen Alternativen. Um einen Veganer zu ernähren, benötigt man bis zu 20 Mal weniger landwirtschaftliche Nutzfläche als für die Ernährung eines Gemischtköstlers. Eine vegane Ernährung kann also maßgeblich dazu beitragen, den Hunger in der Welt zu eliminieren. Außerdem spart eine vegane Lebensweise jede Menge Wasser und schont das Klima. Um ein Kilo Rindfleisch produzieren zu können, benötigt man über 15.000 Liter Wasser. Ein Kilo Kartoffeln erfordert gerade einmal gut 100 Liter Wasser.

Du bist Extrem-Radsportler und hast beim berühmtesten Radmarathon der Welt ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Denkst du, deine pflanzliche Lebensweise hat dazu beigetragen?

Davon bin ich sogar überzeugt. Seitdem ich mich vegan ernähre, habe ich gemerkt, dass ich mich auf lange Distanzen einlassen kann. Ich fing damals erst an, bei 200-Kilometer-Marathons mitzufahren. Es lief gut. Die Regenerationszeiten wurden immer kürzer, ich konnte mehr trainieren und die Distanzen wurden länger. Mittlerweile fahre ich Rennen mit Strecken von über 1.000 Kilometern. Während der Belastung habe ich, im Gegensatz zu vielen anderen Fahrern, keine Magenprobleme mehr und bin energiegeladener, konzentrierter und wacher.

Wie haben deine Sportkolleginnen und -kollegen auf deine Entscheidung reagiert, dich vegan zu ernähren, und wie verbreitet ist diese Lebensweise in diesem Umfeld?

Ich hab es nie explizit erzählt und einfach nur für mich gemacht. Bei den Radveranstaltungen sieht meine Flasche mit Chiasamen etwas anders aus als die Getränkeverpflegung der anderen. An den Verpflegungsstationen lehne ich dankend immer alles ab und esse meine eigene Verpflegung. Mittlerweile haben es einige auch selbst ausprobiert, sich nach meinem Konzept zu ernähren. Sie sind nicht gleich Veganer geworden, achten aber beim Sport schon auf eine andere Nahrungszufuhr. Ein paar Radkollegen spekulieren sogar darauf, dass ich ein paar Energiebällchen mehr eingesteckt habe. Wenn der Blutzuckerspiegel in den Keller rauscht, dann bin ich mit meinen »verrückten Kügelchen« ein gern gesehener Retter in der Not.

Pflanzliche Ernährung ist noch nicht wirklich verbreitet im Radsport. An der Strecke werden weiterhin synthetisch hergestellte Riegel und Gels angeboten und die Leute greifen gerne zu. Nicht wegen des Geschmacks, sondern weil sie denken, es hilft. Viele bekommen Magenprobleme und erkennen nicht, dass eine Ursache dafür sicherlich die falsche Ernährung ist.

Wie sehen deine Mahlzeiten an »normalen« Tagen und vor Wettkämpfen aus?

Ich sitze regelmäßig auf dem Rad und fahre stets etwas längere Distanzen, deshalb unterscheidet sich meine Ernährung an Wettkampftagen kaum von der im Alltag. Ich war schon immer ein Obst- und Gemüsejunkie und liebe es, den Tag mit einem großen Smoothie zu beginnen. Ich ernähre mich zu 80 Prozent rohköstlich, freue mich aber auch immer über eine warme und deftige Mahlzeit. Ich habe ein paar Grundsätze, die ich bei meiner Ernährung einhalte. Vor allem ernähre ich mich nach dem Clean-Eating-Konzept, bei dem die Produkte so naturbelassen wie möglich konsumiert werden. Hierfür ist es mir wichtig, dass sie Bio-Qualität haben. Darüber hinaus versuche ich, basisch zu essen und meide Fast Food. Kohlenhydrate führe ich regelmäßig über Pseudogetreide (Quinoa, Hirse) zu und Eiweiß kommt aus Lupinenprodukten und Hanf.

Der Slogan der FIBUR-Versicherungen, deren Gründer und Geschäftsführer du bist, lautet: »Versicherungen – ökologisch und fair: Du bestimmst, wohin dein Geld fließt.« Erläutere uns doch bitte das Konzept, das du damit verfolgst.

Ich habe Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten Wirtschaftsethik und Social Banking studiert. Nach dem Studium habe ich Handlungs- und Informationsbedarf eher im Versicherungsbereich (private Vorsorge und Berufsunfähigkeit) gesehen. Für mich persönlich ist wichtig, dass ich weiß, was mein Geld NICHT macht. Klare Ausschlusskriterien sind für mich essentiell.

Mit FIBUR möchte ich in diesem Bereich aufklären und sensibilisieren. Die Menschen sollen erfahren, dass Versicherer, genau wie Banken, mit dem Geld der Kunden arbeiten. Das Geld wird angelegt und fließt eventuell in Bereiche, die moralisch und ethisch-ökologisch nicht vertretbar sind und welche die Kunden auch ablehnen würden, wenn sie davon wüssten.

Man muss mit seinem Geld nicht Kinderarbeit, Umweltverstöße, Spekulationen mit Nahrungsmitteln, Atomkraft oder Waffenhandel unterstützen. Wir möchten über die Alternativen informieren. Derzeit ist die Nachfrage nach ethisch-ökologisch korrekten Hausrat- und Haftpflichtversicherungen sehr hoch. Wir sind dabei, hier ein passendes Angebot zu schaffen.

Gibt es für dich einen Zusammenhang zwischen einer ethisch-ökologischen Lebensweise und einer veganen Lebensweise?

Für mich ist eine vegane Lebensweise direkt mit ethisch-ökologischen, aber auch sozialen Aspekten verbunden. Ich habe Respekt vor meinen Mitmenschen und anderen Lebewesen und denke, dass wir schon darauf achten sollten, wie wir mit unserer Umwelt und miteinander umgehen. Man kann meiner Meinung nach nicht einerseits sagen, dass man die Tiere nicht ausbeuten und leiden lassen will, andererseits aber seine Mitmenschen unter fragwürdigsten Bedingungen arbeiten lassen, indem man billige Produkte konsumiert. Bevor es zum veganen Endprodukt kommt, gibt es viele Aspekte, die es auch zu einem ethisch-ökologisch und sozial korrekten Produkt machen. Polyesterpullover aus Bangladesch sind auch vegan, aber eben nicht ethisch-ökologisch korrekt. Diese Gedanken sollte sich jeder machen – ob VeganerIn oder nicht.

Anfang 2016 ist dein Buch Be faster, go vegan! erschienen. Möchtest du unseren LeserInnen eine kurze Vorstellung geben?

Im Prinzip habe ich meine persönliche Geschichte, mein Ernährungskonzept und Rezepte aufgeschrieben. Es geht um eine abwechslungsreiche, ausgewogene und pflanzliche Ernährung. Alle Rezepte kommen mit wenig Zutaten aus, lassen sich in weniger als 15 Minuten zubereiten und versorgen den Körper optimal mit guten Nährstoffen, die jede Menge Energie liefern egal ob für den Alltag oder die nächste Trainingseinheit. Das Buch ist ein kompakter Begleiter für alle, die wenig Zeit haben und sich schnell informieren wollen. Ich stelle viele Lebensmittel vor, die eine hohe Nährstoffdichte haben, um den Körper nachhaltig und optimal zu versorgen. Im Buch wird erläutert, wie die entsprechenden Nahrungsmittel im Körper wirken und wann sie für Sportler zum Einsatz kommen sollten.

Und zum Schluss: Verrate uns doch bitte noch dein Lieblingsgericht.

Quinoasalat mit frischem Gemüse, Lupinengeschnetzeltem und Avocados.

 

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