Die Ärztin

Dr. med. Eva Kristina Bee 1Dr. med. Eva Kristina Bee ist Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Die überzeugte Veganerin ist 3. Vereinsvorsitzende bei den Ärzten gegen Tierversuche e. V. In unserem Interview beleuchtet sie den wichtigen Zusammenhang zwischen veganer Lebensweise und Gesundheit.

Eva Kristina, wie ist die grundsätzliche Einstellung deiner KollegInnen gegenüber einer rein pflanzlichen Lebensweise?

Das ist sehr unterschiedlich. KollegInnen, die sich mit Ernährung auskennen, stehen dem in der Regel offen gegenüber. Es gibt aber auch KollegInnen, die sich auf diesem Bereich nicht weitergebildet haben. Aber auch diese sind in der Regel positiv eingestellt, wenn ich ihnen die Vorteile einer rein pflanzlichen Ernährung erläutere, natürlich immer wissenschaftlich untermauert. Leider kommt das Thema aber allgemein im ärztlichen Arbeitsalltag zu kurz.

Kommen viele PatientInnen zu dir, deren Erkrankungen auch ernährungsbedingt sind? Weist du diese auf die Rolle der Ernährung hin? Wie reagieren sie darauf und bekommst du auch positive Rückmeldungen von PatientInnen, die deine Hinweise berücksichtigt haben?
 
Als Hautärztin sehe ich häufig PatientInnen, die an Erkrankungen leiden, die zu einem gewissen Teil durch die Ernährung beeinflusst sind. Ein typisches Beispiel ist die Akne, bei der mittlerweile anerkannt ist, dass Milchprodukte und Zucker das Krankheitsbild verstärken können. Aber auch bei anderen Erkrankungen spielt die Ernährungsweise eine nicht unerhebliche Rolle, wie zum Beispiel das Übergewicht bei Schuppenflechte oder bei Juckreizerkrankungen. Ein Großteil der Zivilisationskrankheiten, beispielsweise der Diabetes oder viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sind mit durch eine falsche Ernährungsweise verursacht. Ich bekomme häufiger positive Rückmeldungen, die mich natürlich besonders freuen.

Sehr viele Menschen denken noch immer, bei einer veganen Lebensweise würde der Körper nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Besonders kritisch sehen sie dabei Vitamin B12, Eisen und Kalzium. Kannst du unsere LeserInnen in dieser Hinsicht beruhigen?

Bei einer rein veganen Ernährung muss das Vitamin B12 substituiert werden, denn es kommt in Pflanzen in nicht ausreichender Menge vor. Man muss aber bedenken, dass auch die Tiere, die später als Schnitzel auf dem Teller landen, Vitamin-B12-Supplemente in ihre Futtermischung bekommen. Also ist das Vitamin B12 im Fleisch nicht so »natürlich«, wie viele MischköstlerInnen glauben. Darum sehen es die meisten mir bekannten VeganerInnen als unproblematisch an, Vitamin B12 zuzuführen, und zwar ohne »Umweg über das Tier«. Eisen wird in der Regel in ausreichendem Maße zugeführt, wenn man auf eine ausgewogene Ernährung achtet. Der Kalziumbedarf von VeganerInnen liegt vermutlich, darauf weisen Studien hin, unter dem Richtwert von MischköstlerInnen. Das liegt daran, dass eine tierproteinreiche Kost dem Körper Kalzium entzieht und darum die MischköstlerInnen mehr benötigen. Man kann seinen Bedarf sehr gut durch kalziumreiche Gemüsesorten und vor allem durch kalziumreiche Mineralwässer decken. Bezüglich mancher Mikronährstoffe kommen übrigens VeganerInnen besser weg. So gibt es Hinweise, dass ein Folsäuremangel bei MischköstlerInnen häufiger vorkommt als bei Menschen, die sich pflanzenbasiert ernähren. Denn Folsäure findet sich vor allem in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.

Du engagierst dich auch intensiv gegen Tierversuche. Die meisten Menschen lehnen Tierversuche grundsätzlich zwar ab, würden aber im Bereich der Medizin eine Ausnahme machen. Was sagst du dazu?

Es wird oft angenommen, dass Tierversuche für eine fortschrittliche Medizin notwendig sind. Dieser Schluss ist aber trügerisch, und ich bin ihm am Anfang meines Studiums ebenfalls aufgesessen. Wenn man sich etwas intensiver mit dem Thema beschäftigt, stellt man fest, dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen gar nicht mit der notwendigen Sicherheit gegeben ist. Die Fehlerquote ist relativ hoch und Tierversuche sind daher in meinen Augen unverantwortlich, nicht nur den Tieren, sondern auch den Menschen gegenüber. Darum kommt es ja auch immer wieder zu Arzneimittelskandalen wie bei Contergan, Vioxx und TG1412. Es gibt mittlerweile sehr intelligente tierversuchsfreie Testmethoden, die wesentlich zuverlässiger als der Tierversuch sind. Aber wie immer fehlt es hier an Geld, denn Subventionen fließen leider immer noch größtenteils in die Tierversuchsforschung, die eine historisch bedingte und lang gewachsene Lobby hat.

Du sagtest vorhin, dass das Thema der veganen Ernährung unter deinen KollegInnen noch nicht die Rolle spielt, die ihm eigentlich zusteht. Worin siehst du den Grund dafür?

Dr. med. Eva Kristina Bee 2In der Ausbildung zum Arzt/zur Ärztin wird das Thema Ernährung so gut wie gar nicht behandelt. Zumindest war das in meinem Studium noch so, aber ich denke, auch heute noch wird dem Thema zu wenig Aufmerksamkeit gezollt. Das ist umso trauriger, als dass sich die meisten Zivilisationskrankheiten durch eine gesunde Ernährung und einen vernünftigen Lebensstil verhindern lassen.

Denkst du, es muss sich grundsätzlich etwas in der Ausbildung der ÄrztInnen ändern? Und wenn ja, warum?

Ja, es sollte sich grundsätzlich etwas ändern. Neben der Behandlung von Erkrankungen muss der Fokus auf die Vermeidung von Erkrankungen gelegt werden, und das muss sich auch später in der Bezahlung der ÄrztInnen niederschlagen. Derzeit können ÄrztInnen nur dann etwas verdienen, wenn sie therapieren. Für die Beratung und Vorbeugung von Erkrankungen wird so gut wie kein Geld bereitgestellt. Dabei kosten uns die ernährungsbedingten Erkrankungen derzeit jährlich 70 Milliarden Euro in Deutschland. Da liegt ein wahnsinniges Einsparungspotential brach.

Sollte das Thema gesunde Ernährung auch in den Schulen verstärkt und früher gefördert werden?

Unbedingt. Gerade Kinder lernen schnell und es ist wichtig, sie vertraut zu machen mit einer gesunden Ernährungsweise. Ihnen macht es Spaß, zu erfahren, welche Nahrungsmittel sinnvoll sind, wie sie entstehen und wie sie zubereitet werden. Heute ist es ja manchmal schon so, dass Kinder nicht mehr wissen, was eine Zucchini oder eine Pastinake ist. Das was uns schmeckt, wird in den ersten zwei Lebensjahren festgelegt. Das ist vergleichbar mit dem Erlernen der Muttersprache. Das bleibt zeitlebens im Gedächtnis verankert. Darum ist die frühestmögliche Förderung absolut sinnvoll.

Und zum Schluss: verrate uns doch bitte noch dein Lieblingsgericht

Spaghetti Bolognese

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