Veganer mit Muskeln und Köpfchen

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© Pierre Lamely – bodyxtreme.de

Der Kraftsport ist ein Sport, den viele Menschen praktisch mit dem Konsum von Fleisch, Milch und anderen tierlichen Produkten gleichsetzen. Der Diplom-Psychologe und Strongman 2011, Patrik Baboumian, ist ein überzeugender Beweis dafür, dass man mit einer rein pflanzlichen Ernährung mindestens ebenso gute sportliche Leistungen erbringen kann.

Patrik, seit wann lebst Du vegan und wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich bin Ende 2011 vegan geworden, nachdem ich mich zuvor mehrere Jahre vegetarisch ernährt hatte. Nachdem ich als Vegetarier den Titel »Stärkster Mann Deutschlands« geholt hatte, bekam ich sehr viel Resonanz seitens der Medien und konnte auf diese Weise viele Leute zu einem Umdenken hin zu einer bewussteren, auf ethischen Erwägungen basierenden Ernährung bewegen. Dann aber stellte ich fest, dass meine Ernährung nicht mehr meinen eigenen ethischen Standards genügte. Ich war Vegetarier geworden, um das durch meinen eigenen Konsum verursachte Tierleid zu minimieren. Mittlerweile musste ich aber erkennen, dass auch durch die Erzeugung tierlicher Produkte wie Milch und Eier unerträgliches Leid verursacht wird; und da ich nun ein effektiver Multiplikator war, entschied ich mich dazu, meinem Gewissen zu folgen und komplett vegan zu werden, um die Menschen zu einer wirklich konsequenten tierfreundlichen Lebensweise zu inspirieren.

Die meisten Kraftsportler sind noch immer der Meinung, dass für den Aufbau von Körperkraft tierliches Eiweiß unverzichtbar ist. Wie reagieren sie, wenn sie erfahren, dass Du Dich vegan ernährst?

Leider ist der Mythos von der Überlegenheit tierlichen Proteins über Jahrzehnte in die Köpfe der Menschen »hineingehämmert« worden, so dass ich manchmal Blicke ernte, die anmuten wie der Ausdruck eines mittelalterlichen Inquisitors, nachdem ihm ein Wissenschaftler erklärt, dass die Erde eine Kugel ist. Zum Glück wurde die Tradition mit den Scheiterhaufen schon abgeschafft, so dass ich oft die Gelegenheit bekomme, zu erklären, dass an den von mir widerlegten Mythen nichts Wissenschaftliches dran ist und sie auf pseudowissenschaftlichen und kulturell transportierten, längst widerlegten Thesen basieren.

Was sind die häufigsten Vorurteile/Fragen, mit denen Du konfrontiert wirst und wie reagierst Du darauf?

Was man relativ oft hört, ist die Behauptung, man müsse als VeganerIn Unmengen von Nahrungsergänzungsprodukten zu sich nehmen. Das ist vollkommener Unfug. Das Einzige, was man als VeganerIn wirklich ergänzen muss, da es nur von Mikroorganismen gebildet wird, die wir in unserer modernen überhygienischen Lebenswelt kaum noch mit der Nahrung aufnehmen, ist Vitamin B12. Es wird in der Tiermast ebenfalls als Ergänzung dem Kraftfutter der Tiere beigegeben, so dass auch jedeR NichtveganerIn B12 über den Umweg Tier supplementiert. Der Bedarf an B12 hat also nicht explizit mit der veganen Lebensweise an sich zu tun.

Hat sich Deine sportliche Leistung geändert, seitdem Du Deine Ernährung umgestellt hast?

Ja, ich habe in Folge meiner Umstellung auf eine vegane Lebensweise drei Weltrekorde gebrochen und die Europameisterschaft im RAW-Powerlifting gewonnen. Meine Leistungen und mein körperliches Wohlbefinden haben sich merklich verbessert.

Was isst Du denn typischerweise bzw. vor Wettkämpfen? Und woher nimmst Du Deine Proteine?

Ich nutze Hülsenfrüchte, Nüsse und Getreide, um meinen Bedarf an Protein und Energie zu decken. Ich setze außerdem auf Smoothies und Shakes, die mir helfen, zusätzliche Kalorien zu tanken, wenn ich mehr leisten muss oder zunehmen möchte. Genaue Rezepte sowie umfangreiche Infos, wie sich vegane Ernährung auch für Sportler optimal umsetzen lässt, finden sich in meinem Buch »VEGAN ganz anders«.

Was war Dein größter sportlicher Erfolg und was hast Du für weitere Ziele?

Mir liegt relativ wenig an meinen Titeln an sich. Was ich als größten Erfolg für mich als Individuum ansehe, ist die Tatsache, dass ich durch meine Leistungen tausende Menschen zu einem Umdenken hin zu einer bewussteren Ernährung inspirieren konnte. Das soll also nach meinem Wunsch auf einem kleinen Schild über meinem Grab stehen, falls ich morgen tot umfalle (lacht).

Gibt es eigentlich viele vegane Spitzensportler? Kannst Du ein paar Beispiele nennen?

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© Mikołaj Jastrzębski

Ja, es gibt etliche vegane SportlerInnen, ich nenne nur ungern Beispiele, weil ich die einzelnen Fälle nicht verifizieren kann, aber wenn man mal nach »vegan athletes« sucht, findet man etliche Beispiele in sämtlichen Sportarten weltweit. Derzeit arbeite ich an einer groß angelegten Doku, die mehrere Beispiele für Athleten in typisch männlich besetzten Sportarten porträtiert und anhand dieser Beispiele und wissenschaftlicher Fakten den Mythos vom Zusammenhang zwischen Maskulinität und Fleischkonsum in Stücke schlägt. Im Rahmen dieser Doku habe ich auch meinen letzten Weltrekord aufgestellt. Der Film entsteht unter der Regie des Oskar prämierten Filmemachers Louie Psihoyos und wird von einem der größten Namen in der US-Filmindustrie produziert.

Patrik, Anfang des Jahres kam Dein Buch “Vegan ganz anders” auf den Markt. Inzwischen kann bereits die zweite Auflage vorbestellt werden. Möchtest Du uns etwas zu diesem Buch erzählen?

Das Buch richtet sich an jedeN, der/die nicht vegan geworden ist, um abzunehmen (lacht). Ich stelle darin zum einen Rezepte zu Speisen vor, die ich selbst täglich esse. Zum anderen gibt das Buch einen Überblick über die wichtigsten Fragen, wenn es darum geht, vegane Ernährung gesund und leistungsfördernd zu gestalten. Natürlich geht es auch darum, über die häufigsten Denkfehler vor und während der Umstellung aufzuklären, damit das »Unternehmen« vegan für jedeN zu einem Erfolgserlebnis werden kann. Ich gewähre außerdem noch Einblicke in persönlichere Themen und es gibt auch ein kleines Kapitel zum Thema Motivation. Auch einige Gedanken zur Tierrechtsthematik, die für mich die Basis meiner Arbeit darstellt, kommen zum Ausdruck.

Und zum Schluss: verrate uns doch bitte noch Dein Lieblingsgericht.

Ganz klar, »Tofu süß-sauer«. Das Rezept findet sich in meinem Buch. Tofu wird knusprig paniert und gebraten und mit süß-saurer Soße und Reis serviert. Ist schnell gemacht. Liefert Protein und schmeckt fantastisch.

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