Die Zukunft ist pflanzlich

Als der 19-jährige Bill Gates im Jahr 1975 ankündigte, schon bald werde in jedem Haus und auf jedem Schreibtisch ein Computer stehen, erntete er nur verständnisloses Kopfschütteln. Bekanntlich erfüllte sich seine Erwartung und nicht nur das: Heute tragen in etlichen Ländern die meisten Menschen Computer in Form von Smartphones in der Hosentasche – und Bill Gates ist mit einem geschätzten Vermögen von 90 Milliarden Dollar der zweitreichste Mensch der Welt.

Mittlerweile wirbt Gates dafür, die Zukunft unserer Ernährung pflanzlich zu gestalten: »Ein komplettes Neudenken unseres Ernährungssystems ist überfällig«. Die industrielle Tierhaltung betrachtet er als überholt: Sie verbrauche unverhältnismäßig viele Ressourcen, was angesichts der wachsenden Weltbevölkerung problematisch sei. Die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern sei außerdem zu teuer, zu ungesund und bringe zu viel Tierleid und eine zu hohe Umweltbelastung mit sich.

InvestorInnen fördern vegane Alternativen

Gates investiert in einige vielversprechende Start-Ups, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Alternativen zu Fleisch, Milch und Eiern auf pflanzlicher Basis zu entwickeln, die den tierlichen Pendants in nichts nachstehen, darunter Beyond Meat, Impossible Food und Just.

Auch Paypal-Pionier Peter Thiel, Virgin-Group-Gründer Richard Branson und Google-Gründer Sergey Brin sind Experten darin, gesellschaftliche Entwicklungen vorauszudenken und deren Potenzial zu erkennen. Sie investieren ebenfalls Millionen von Dollar in vegane Unternehmen. Ihre Einschätzung: Menschen wollen zwar weiterhin Bratwurst, Burger und Pizza essen, die industrielle Tierhaltung jedoch hat aus ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Gründen ausgedient.

Ähnlich sieht es Josh Tetrick, der Geschäftsführer von Just – er hat mit seiner erfolgreichen pflanzlichen Mayonnaise die Eier-Industrie der USA gegen sich aufgebracht. Für ihn ist klar: Wir brauchen Innovationen in der Lebensmittelproduktion. »Wir haben uns dazu entschieden, von Pferdekutschen auf Autos umzusteigen«, führt er aus. »Doch während wir uns Videos auf unseren Tablets ansehen und die Daten unserer tragbaren Fitness-Gadgets auswerten, konsumieren wir immer noch Nahrungsmittel aus dunklen, verdreckten Käfigen«.

Umdenken der jungen Generation

Auch die KonsumentInnen haben von den immer neuen Skandalen und dem Leid der Tiere in der Massentierhaltung genug: Rund 70 % der Weltbevölkerung wollen ihren Fleischkonsum entweder bedeutend reduzieren oder sogar ganz auf Fleisch verzichten. Insbesondere die junge Generation legt großen Wert auf Ethik und treibt diesen Prozess entscheidend voran: So konsumieren in den USA die zwischen 1995 und 2005 Geborenen zum Beispiel 80 % mehr Grünkohl, 57 % mehr Tofu und 550 % mehr Pflanzenmilch als ihre Eltern.

Wurst muss nicht aus Tieren sein

In Deutschland sorgte 2015 die Rügenwalder Mühle mit der Einführung fleischfreier Produkte für Aufsehen. Geschäftsführer Christian Rauffus rät vom häufigen Fleischverzehr ab, allein schon aus gesundheitlichen Gründen: »Ernährungsphysiologisch ist die Wurst [aus Tieren] nicht so der Brüller«. Das Unternehmen will in den kommenden Jahren weiter Fleisch durch pflanzliche Alternativen ersetzen. »Ich kann mir vorstellen, dass wir in 20 Jahren ohne Fleisch arbeiten«, sagt Rauffus. Mittlerweile sind 20 % des Sortiments seines Unternehmens fleischfrei – 100 Tonnen Veggie-Produkte verkauft es pro Woche. Bis 2020 soll der Anteil auf 40 % anwachsen. Zudem will man alle vegetarischen Artikel auf vegan umstellen. Der Erfolg der Rügenwalder Mühle hat bereits viele Fleisch-Unternehmen wie Vion, Meica und Wiesenhof dazu motiviert, mit eigenen Fleischalternativen nachzuziehen.

Kapital für innovative Lösungen

Auch Tyson Foods, einer der größten Fleischkonzerne der Welt, investiert in Firmen, die Fleischalternativen produzieren. Auf die Frage einer Journalistin, ob pflanzenbasierte Ernährungsweisen die Zukunft seien, überraschte Geschäftsführer Tom Hayes mit der Antwort : »Ich denke schon«.

Finanzstarke InvestorInnen fordern große Konzerne mittlerweile sogar direkt dazu auf, sich vermehrt auf pflanzliche Produkte auszurichten. Ein Beispiel dafür ist die FAIRR-Initiative, in der sich InvestorInnen mit einem Gesamtkapital von aktuell 6 Billionen Euro zusammengeschlossen haben. Die Initiative führte 2016 in einem Bericht aus, dass es aufgrund verschiedener Faktoren schlicht zu riskant sei, in die industrielle Tierhaltung zu investieren.

Ernährung neu erfinden

Menschen lieben den Geschmack von Burger, Pizza und Bratwurst. Doch die industrielle Tierhaltung bedroht unser Ökosystem, birgt zahlreiche gesundheitliche Risiken und verbraucht zu viele Ressourcen. Indem Start-ups, InvestorInnen und Unternehmen immer bessere pflanzliche Fleischalternativen auf den Markt bringen, transformieren wir nicht nur unser Ernährungssystem, sondern können auch einen anderen Umgang mit Tieren entwickeln.


Bild © oticki – Shutterstock

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