Interview: Vegan in Polen

Seit dem letzten Jahr ist die Albert Schweitzer Stiftung auch in Polen aktiv. Unter anderem betreut die Fundacja Alberta Schweitzera die polnische Version unserer Vegan Taste Week. Wir haben mit Projektleiterin Beata über das vegane Leben in Polen und ihre Arbeit gesprochen.

1. Liebe Beata, du betreust die polnische Version der Vegan Taste Week. Was sind deine Aufgaben rund um »Tydzień na Weganie«?

Als Projektleiterin von »Tydzień na Weganie« bin ich für das Aussehen und den Inhalt der Website zuständig. Dazu gehört z.B. die Auswahl der Bilder und Rezepte sowie das Schreiben der Artikel. Außerdem befasse ich mich damit, die Kampagne bekannter zu machen und neue TeilnehmerInnen zu gewinnen. Es ist uns wichtig, mehr Menschen über die vegane Ernährung zu informieren – aus ethischen, gesundheitlichen und ökologischen Gründen.

2. Die Fundacja Alberta Schweitzera hat im Jahr 2017 ihre Arbeit aufgenommen. Womit beschäftigt sich das Team hauptsächlich?

Wir haben unsere Arbeit etwas später als geplant aufgenommen, denn die Formalitäten, das Finden der Büroräume und der Aufbau des polnischen Teams dauerten eine Weile. Die Corporate-Outreach-Abteilung, der drei Personen angehören, ist für Gespräche mit Unternehmen zuständig. Derzeit geht es dabei vor allem um den Ausstieg aus der Käfighaltung bei Legehennen. Es gibt noch eine weitere Abteilung – »Verwaltung und Kommunikation« – zu der auch »Tydzień na Weganie« gehört.

3. Seit wann lebst du schon vegan und wie kam es dazu?

Ich lebe seit fast zwei Jahren vegan, davor war ich Vegetarierin. Meine Umstellung auf vegetarische Ernährung fing an, als ich 16 war und erfolgte Schritt für Schritt. Ich habe erst Geflügel und Fleisch, dann Fisch und zum Schluss Milchprodukte und Eier von meinem Speiseplan gestrichen. Fleisch schmeckte mir noch nie. Als Kind wurde ich gezwungen, Fleisch zu essen – der populäre Protein-Mythos hat dazu beigetragen. Ich habe schon damals gefühlt, dass Fleisch nicht mein Ding ist, zuerst wegen seines Geschmacks und später wegen ethischer und gesundheitlicher Aspekte.

4. Wie verbreitet und akzeptiert ist die vegane Ernährung in Polen?

Das polnische Institut für Ernährung hält die vegetarische Diät für die richtige Ernährungsweise in jeder Lebensphase. Allerdings hat das Institut keine eindeutige Position zur veganen Ernährung veröffentlicht, vor allem nicht zu den Themen »Ernährung in der Schwangerschaft« und »Kinderernährung«. Die vegane Ernährung entfacht noch viele Kontroversen, besonders in Bezug auf angebliche Protein- und Nährstoffmängel, wie z.B. Kalzium, Eisen, B12 usw. Glücklicherweise ändert sich das langsam, vor allem dank populärer polnischer Blogs mit Vegan-Schwerpunkt und neuer pflanzlicher Restaurants.

5. Wie vielfältig ist das vegane Angebot in Restaurants und Supermärkten in Polen? Wie hat es sich in den letzten Jahren entwickelt?

Es hat sich sehr viel geändert. In den letzten Jahren wurden in Polen sehr viele vegane Restaurants eröffnet, besonders in Warschau, aber auch in anderen großen Städten. Noch vor ein paar Jahren konnte man in Restaurants höchstens ein vegetarisches Gericht bestellen – ein veganes Angebot kam nicht in Frage. Vegane Alternativen für Fleisch und Milchprodukte sind allerdings schwieriger erhältlich – Pflanzenmilch, Hummus, verschiedene Aufstriche oder Tofu zum Beispiel. Man kann sie in größeren Laden finden, nicht aber im kleinen Laden um die Ecke. Deswegen kaufen viele polnische VeganerInnen ihre Lebensmittel in Online-Shops.

6. Wie lebt es sich als Veganerin in Warschau? Was sind deine Tipps für vegane TouristInnen, die die Stadt besuchen?

Laut Happy Cow belegt Warschau in der Rangliste der Städte mit den meisten veganen Restaurants hinter Berlin und Los Angeles den dritten Platz. Zur Zeit gibt es hier mehr als 50 rein vegane Restaurants… und es machen immer neue auf! Man kann hier ein veganes Kebab oder veganes Sushi probieren und hat eine große Auswahl an Falafeln und veganen Burgern. Es gibt auch ein rein veganes italienisches Restaurant und Restaurants, die traditionelle polnische Gerichte in vegan anbieten. Besonders im Zentrum Warschaus gibt es eine große Auswahl an veganen Restaurants und Bars.

7. Vielen Dank für das Interview, Beata! Magst du uns zum Schluss noch dein Lieblingsrezept verraten?

Ich bin ein großer Fan von italienischer Küche. Pizza, Pasta und Co. sind meine große Liebe. Mein Lieblingsrezept für Pizza:

Für den Teig:
4 Tassen Weizenmehl oder 3 Tassen Weizenmehl und 1 Tasse Vollkornmehl
1,5 Tassen Wasser
50 g frische Hefe
1 große Prise Salz
1 kleine Prise Zucker

Für die Soße:
1 Dose gehackte Tomaten
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
2 EL Balsamico
½ Tasse Rotwein
1 Prise Salz
1 Prise Pfeffer
Frische Kräuter: Oregano, Basilikum
Öl

Fürs Pizza-Topping:
Tempeh
20 g Champignons
frische Paprika
½ Zwiebel
zusätzlich noch andere Gemüse: Zucchini, Brokkoli usw.
veganer Käse

Tempeh-Marinade:
4 EL Sojasoße
1 EL Sesamöl
1 TL Ahornsirup
1 Prise Räucherpaprika
1 Prise Ingwer-Pulver

Zubereitung:

Alle Zutaten für den Teig in einer Schüssel miteinander vermengen und zu einem Teig verkneten. Falls der Teig zu klebrig ist, etwas mehr Öl zugeben. Nun den Teig abgedeckt etwa eine Stunde ruhen lassen.

Tempeh in kleine Stücke schneiden und die Zutaten für die Marinade vermengen. Tempeh-Stücke in die Marinade geben, gut vermengen und abgedeckt in den Kühlschrank stellen.

Inzwischen die Soße zubereiten: Dazu Zwiebel und Knoblauch in etwas Öl in einem kleinen Topf anbraten. Tomaten, Wein und Balsamico zugeben und 10 bis 15 Minuten kochen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Champignons und Gemüse in Scheiben schneiden und den Käse ggf. raspeln.

Den Teig auf dem Backbleck ausrollen, die Soße auftragen und verteilen. Dann die Champignons, das Gemüse und den Tempeh darübergeben und alles mit Käse bestreuen. Die Pizza bei 200 Grad etwa 30 bis 40 Minuten backen. Guten Appetit!

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