Vegane Kosmetik: Interview

ErbseErbse betreibt mit »Blanc et Noir« den größten veganen Beauty-Blog im deutschsprachigen Raum. Im Interview mit uns erzählt sie unter anderem, wie sie zum Bloggen kam, woran man ein veganes Kosmetikprodukt erkennt und wie sie ihre liebste Haarspülung selbst herstellt.

1. Liebe Erbse, seit wann beschäftigst du dich mit dem Thema »vegane Kosmetik« und wie kam es dazu?

Für Kosmetik habe ich mich eigentlich schon immer interessiert. Ich verfolgte vor dem Start meines eigenen Blogs die Kosmetik-Kanäle auf YouTube und lud hin und wieder sogar selbst Videos hoch. Damals gab es von diesen Videos noch nicht solche Massen wie heute. Und als ich mich im Januar 2010 für die vegane Lebensweise entschied, machte diese Umstellung natürlich auch nicht vor meinen Produkten im Badezimmer halt.

Leider gab es zu dieser Zeit kaum Anlaufstellen, an denen Informationen zu veganen Cremes, Shampoos und Co. gesammelt wurden. Also entschloss ich mich kurzerhand, selbst eine dieser Anlaufstellen zu werden, indem ich recherchierte, Firmen kontaktierte und mich regelmäßig auf dem Laufenden hielt. Ich habe seitdem sehr viel gelernt und lerne (zum Glück!) immer noch dazu.

2. Auf deiner Website führst du eine ausführliche Liste, aus der hervorgeht, welche Firmen vegan bzw. tierversuchsfrei sind. Woher bekommst du diese Informationen?

In der Regel beziehe ich die Informationen direkt von den jeweiligen Unternehmen und zerpflücke deren Statements zu meinen einzelnen Fragen genau. Zusätzlich recherchiere ich Informationen rund um die Unternehmen und setze mich außerdem mit den Einstufungen der Marken durch andere Zertifizierer auseinander. Das alles fließt letztlich in meine Liste ein. Mir ist wichtig, dass ich meine Einschätzung begründen kann, weshalb ich die Statements der Marken stets mit veröffentliche, sodass sich meine LeserInnen ein eigenes Bild machen können.

3. Sind Kosmetikartikel, die auf der Verpackung als »vegan« gekennzeichnet sind, automatisch auch tierversuchsfrei?

Das kommt ganz darauf an! Der Begriff »vegan« ist leider nicht geschützt und so kann er nach eigener Einschätzung der Unternehmen verwendet werden. Das führt immer mal wieder zu Missverständnissen. Manche Unternehmen wissen zum Beispiel nicht, dass Cera Alba (Bienenwachs) streng genommen nicht vegan ist. So kann es auch dazu kommen, dass ein nicht tierversuchsfreies Produkt den Schriftzug »vegan« trägt. Ein Zeichen für vegane und tierversuchsfreie Kosmetik ist das Vegan-Siegel der Vegan Society. Dieses Siegel dürfen nur Marken bzw. Produkte tragen, die beide Kriterien erfüllen.

4. Worin liegen die Unterschiede zwischen Naturkosmetik und veganer Kosmetik?

Es gibt vegane Naturkosmetik, aber nicht jede Naturkosmetik ist vegan. Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet auf Silikone, Parabene, Paraffine und synthetische Duftstoffe. Außerdem sind keine tierischen Stoffe von toten Wirbeltieren enthalten. Die meisten Naturkosmetik-Zertifizierer erlauben keine Tierversuche. Vegane Naturkosmetik geht einen Schritt weiter und enthält weder etwas vom toten, noch etwas vom lebenden Tier. Allerdings gibt es auch konventionelle vegane Kosmetik, die im Gegensatz zur veganen Naturkosmetik synthetische Inhaltsstoffe und zum Beispiel Stoffe wie die genannten Parabene enthalten.

5. Wie hat sich der vegane/tierversuchsfreie Kosmetikmarkt in den letzten Jahren entwickelt? Werden auch konventionelle Hersteller sensibler für das Thema?

Die vegane Lebensweise ist nach wie vor Trend und so haben sich mittlerweile viele Unternehmen, auch konventionelle, angepasst. Immer mehr Marken labeln ihre Produkte als cruelty free und vegan. Besonders kleine, unabhängige Firmen punkten hier, da sie viel schneller auf Trends reagieren können.

6. Muss man, wenn man vegane und tierversuchsfreie Kosmetik kaufen will, auf teure Marken zurückgreifen?

Nein, diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute kann Jede/r, der oder die möchte, erschwingliche und leicht verfügbare vegane Produkte finden. Es gibt sie nicht mehr nur online oder in Bioläden, sondern in jeder Drogerie und sogar in manchen Supermärkten.

7. Wie kann ich erkennen, ob ein Kosmetikprodukt vegan ist oder nicht, wenn kein entsprechendes Label vorhanden ist? Welches sind die häufigsten tierlichen Inhaltsstoffe, auf die man achten sollte?

Dafür gibt es drei Möglichkeiten. Man kann auf die Recherche von vielen anderen VeganerInnen online zurückgreifen und nach dem Produkt suchen oder sich gegebenenfalls gleich über Alternativen informieren, falls es sich als nicht vegan oder tierversuchsfrei entpuppt. Oder man kann eine Produktanfrage an das Unternehmen stellen und auf eine befriedigende Antwort hoffen. Die dritte Möglichkeit ist die unsicherste, weil dafür ausreichend Kenntnisse über Inhaltsstoffe vorhanden sein müssen. Auf jedem Produkt findet sich eine Deklaration der enthaltenen Stoffe; diese kann nach unveganen Stoffen abgesucht werden.

Häufige unvegane Inhaltsstoffe sind zum Beispiel Karmin (auch CI 75470; ein roter Farbstoff, der aus Läusen gewonnen wird), Schellack (Ausscheidungen von Lackschildläusen), Bienenwachs, Perlenpuder, Wollwachs/-fett (auch Lanolin genannt) und Seidenprotein. Es gibt leider noch viele mehr, die sowohl tierischen Ursprungs, aber auch synthetisch hergestellt sein können. Eine Liste mit unveganen Inhaltsstoffen habe ich hier zusammengestellt.

vegane Kosmetik
© kosmetik-vegan.de

8. Auf deinem Blog zeigst du in der Kategorie »Selbstgemacht«, wie man Peelings, Haarmasken usw. selbst herstellen kann. Hast du ein Lieblingsrezept für unsere LeserInnen, das sich einfach nachmachen lässt?

Etwas was ich nach beinahe jeder Haarwäsche anwende, ist meine Kräuterhaarspülung, die nicht nur gut duftet, sondern auch die Schuppenschicht der Haare schließt und somit das Haar ganz glatt und geschmeidig macht. Die Spülung hilft außerdem bei trockener, gereizter Kopfhaut, die zur übermäßigen Schuppenbildung neigt.

Dafür werden jeweils 1 Teelöffel Brennnessel, Melisse, Ringelblumenblüten, Lavendelblüten und Rosenblüten mit einem Liter heißem Wasser aufgekocht. Wenn der »Haartee« kalt ist, werden die Kräuter und Blüten herausgefiltert und ein Esslöffel Apfelessig dazu geben. Nach der normalen Haarwäsche werden die Haare in den »Haartee« getunkt und der Kopf damit übergossen. Die Kräuterhaarspülung wird hinterher nicht wieder ausgespült. Probiert es unbedingt mal aus!

Vielen Dank für das Interview und für deine wertvolle Arbeit!

Ich habe zu danken. Freue mich sehr! :)

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