Nordwestdeutsche Küche – vegan!

Die traditionelle deutsche Küche zeichnet sich nicht gerade durch viele vegetarische und erst recht nicht durch vegane Gerichte aus. Sie ist vielmehr äußerst deftig und von allerlei tierlichen Produkten geprägt. Doch auf deren deftigen Geschmack müssen Sie bei veganer Ernährung nicht verzichten! In unserer neuen Artikelreihe werden wir mit allerhand Rezepten zeigen, wie typische regionale Spezialitäten leicht veganisiert werden können. Den Anfang macht heute die nordwestdeutsche Küche.

Besonderheiten der nordwestdeutschen Küche

Kulinarisch lassen sich Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg gut zusammenfassen. Die Küche ist hier aufgrund der Nähe zum Meer traditionell sehr fischlastig. Fleisch und Fisch werden hier oft geräuchert – eine Tradition aus einer Zeit, in der Lebensmittel für Seefahrten lange haltbar gemacht werden mussten.

Als Grundlage der Gerichte dienen meist Kartoffeln, Kohl und Steckrüben, Roggenbrot und Buchweizen. Immerhin: diese Zutaten sind schon mal vegan!

Typisch sind außerdem Gerichte und Eintöpfe, in denen herzhafte Komponenten mit fruchtigen verbunden werden, wie beispielsweise Birnen, Bohnen und Speck.

Im Sommer werden oft süße Suppen aus Früchten, Obst oder Milch mit Grießklößchen gereicht.

Herzhaftes und Süßes aus den norddeutschen Bundesländern

Auch, wenn sich nicht alle Gerichte regional klar eingrenzen lassen, können wir viele Spezialitäten doch ganz gut nach Bundesländern einteilen. Regionale Überschneidungen gibt es natürlich immer. Wie beim Matjessalat zum Beispiel, der zwar ursprünglich aus den Niederlanden kommt, aber schon seit langer Zeit in ganz Norddeutschland Tradition hat.

Lassen Sie uns nun unsere kulinarische Deutschlandreise starten!

Schleswig-Holstein

Beginnen wir in Schleswig-Holstein, im hohen Norden, und gleichzeitig mit einem ursprünglich vegetarischen Gericht, dem Schnüsch. Dabei handelt es sich um einen sahnigen Eintopf, der reich an Gemüse ist und bei dem wohl niemand bemerken wird, ob Sahne und Butter nun tierlich oder pflanzlich sind!

Bei der Dithmarschen Kohlpfanne muss schon etwas mehr getrickst werden, aber auch Hack und Speck sind geschmacklich leicht durch pflanzliche Hack-Alternativen, ob gekauft oder selbstgemacht, und durch Räuchertofu zu ersetzen. Dass in Schleswig-Holstein viel Kohl gegessen wird, ist übrigens nicht verwunderlich, da das Bundesland das größte Kohlanbaugebiet Europas beherbergt.

Der traditionelle Bismarck-Hering, der übrigens auch in Mecklenburg-Vorpommern zuhause ist, wird vegan einfach zur Bismarck-Aubergine. Tipp: Um den fischigen Geschmack zu imitieren, helfen Nori-Blätter oder -Flocken. Die Algen sind es nämlich auch, die dem Fisch selbst – durch dessen Nahrungskette – den Geschmack geben.

Ein weiteres Gericht, das sich Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern teilen, ist der Rollmops. Es lassen sich eben nicht alle Gerichte regional klar eingrenzen.

Auf Süßes muss natürlich auch in Schleswig-Holstein nicht verzichtet werden. Wie wär’s mit Lübecker Marzipan oder Buttermilchsuppe mit Nudeln? Beides lässt sich leicht vegan zubereiten.

Hamburg

Ahoi Hamburg und Ahoi Labskaus! Das frühere Arme-Leute-Essen und Seemannsgericht besteht hauptsächlich aus Kartoffeln, Roter Bete, Gewürzgurken, Zwiebeln und je nach Region aus gepökeltem Rindfleisch, Corned Beef und Rollmops. Die tierlichen Bestandteile können Sie getrost weglassen – der Geschmack verändert sich dadurch nicht grundlegend.

Auch eine Variante der Fruchtsuppe mit Grießklößchen darf in der Hansestadt nicht fehlen: die Fliederbeersuppe.

Und am Nachmittag? Da sagt der Hamburger »Ik nehm n’ Franzbrötchen und n’ Koffje« und beißt in das leckere Hefegebäck mit einer Soja-Latte in der anderen Hand. Das Franzbrötchen schmeckt pflanzlich genauso vorzüglich wie die traditionelle Variante mit Butter und Milch. Übrigens ist das Franzbrötchen auch in einigen Bäckereien vegan! Es lohnt sich also, nachzufragen.

Bremen

Und schon sind wir in Bremen gelandet. Am bekanntesten ist hier wohl Grünkohl mit Pinkel nach Bremer Art. Die Bremer Pinkel-Wurst und Bremer Knipp gibt es von der Firma Friebel auch schon fertig vegan zu kaufen.

Die ersten Fischstäbchen wurden übrigens 1959 in Bremerhaven hergestellt. Heute gibt es diese auch als vegane Variante im Supermarkt oder natürlich noch besser selbstgemacht!

Der Bremer Klaben ist ein winterliches Hefegebäck, das zur Hälfte aus Rosinen besteht und mit Kardamom gewürzt wird. Er unterscheidet sich durch die Gewürze und den hohen Rosinen-Anteil vom Christstollen.

Niedersachsen

Typisch niedersächsisch ist die Hochzeitssuppe aus einer kräftigen Brühe mit Vleischbällchen und verschiedenen Einlagen. Das Ostfriesische Schwarzbrot ist schon laut Originalrezept vegan und wird – typisch für Norddeutschland – mit Roggenmehl zubereitet. Birnen und Hüdel mit Vanillesauce ist ebenso ein ostfriesisches Gericht. Hier wird Herzhaftes mit Süßem kombiniert.

Ein beliebtes Dessert in Niedersachsen ist die Welfenspeise, ein luftiger Vanillepudding mit einer Krone aus Weinschaum – oder Orangenschaum als alkoholfreie Variante.

Weiter geht’s: Auf in den Osten!

Sind sie gespannt, was die anderen Regionen und Bundesländer Deutschlands kulinarisch zu bieten haben und wie Sie weitere traditionelle Gerichte vegan zubereiten können? Dann freuen Sie sich auf die nächsten Artikel dieser Reihe! Unser nächstes Ziel ist Ostdeutschland.

Haben Sie Lust bekommen, eines der Rezepte auszuprobieren oder haben Sie vielleicht noch andere Lieblingsgerichte aus der der Region, die Sie gerne teilen möchten? Dann schauen Sie doch in unserer Facebook-Gruppe vorbei, um Ergebnisse, Erfahrungen oder Rezepte auszutauschen. Wir freuen uns auf Sie!

(ltb)

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